Offen und artenreich
Kurzer Aufwuchs, viel Licht am Boden, Blumen bis in den Spätsommer.
Offene Fläche, ein paar Rinder, Blumen bis zum Knie. Das sieht aus wie Natur, die einfach da ist – und ist in Wahrheit Arbeit, die schon getan war, bevor der erste Gast heraufkam.
Die meisten Almen hängen an einem Hof im Tal. Manche gehören einem einzelnen Betrieb, viele einer Gemeinschaft mehrerer Höfe, auf etlichen bestehen alte Weiderechte. Im Frühsommer wird aufgetrieben, im Herbst kommt das Vieh wieder herunter. Den Sommer über schaut oft nicht der Bauer selbst nach den Tieren, sondern ein Hirte oder eine Hirtin – in Österreich rund 7.000 Menschen.
Der Grund ist nüchtern: Solange die Tiere oben sind, fressen sie Gras, das sonst niemand nutzen könnte. Die Wiesen im Tal bleiben frei, dort wächst das Heu für den Winter. Ohne Alm bräuchte derselbe Hof unten mehr Fläche für dieselbe Zahl Tiere. Viele kleine Bergbetriebe gäbe es dann schlicht nicht mehr.
Übrigens: Längst nicht jede Alm liegt über der Baumgrenze. Nieder- und Mittelalmen liegen mitten im Waldgürtel, ein guter Teil der Almfläche ist selbst Wald mit Weiderecht.
Almflächen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen im Alpenraum. Das liegt nicht daran, dass man sie in Ruhe lässt – im Gegenteil. Weil die Tiere kurz halten, was sonst alles überwachsen würde, bekommen niedrige Kräuter und Blumen überhaupt Licht.
Kurzer Aufwuchs, viel Licht am Boden, Blumen bis in den Spätsommer.
Nach wenigen Jahren ohne Vieh schließt sich die Fläche, die Blumen verlieren.
Die Latsche ist eine Kiefer, die Legföhre, und zählt forstlich als Wald. Aus Weide wird im Wortsinn wieder Wald.
Deshalb wird geschwendet: Auf vielen Almen wird der Aufwuchs jedes Jahr händisch zurückgenommen. Ohne diese Arbeit verschwindet die Blumenwiese, wegen der du hinaufgehst, innerhalb weniger Jahrzehnte.
Auf einer bewirtschafteten Alm schaut regelmäßig jemand nach: Zäune, Wege, Gräben und Wasserläufe bleiben in Ordnung, kleine Rutschungen fallen früh auf und werden repariert, bevor sie größer werden. Und das Gras wird kurz gehalten, statt sich im Herbst flach hinzulegen – langes Altgras ist eine der Ursachen für Gleitschneelawinen.
Das gilt allerdings nur, solange der Besatz passt. Zu viele Tiere auf zu kleiner Fläche hinterlassen Trittschäden und ausgetretene Viehgangeln – und die reißen bei Starkregen als Erstes auf. Almwirtschaft schützt den Hang nicht automatisch. Sie schützt ihn, wenn das Maß stimmt.
In allen Bundesländern außer Wien und Burgenland.
Sie betreuen den Sommer über das Vieh auf den Flächen.
Davon 51.000 Milchkühe, dazu 114.000 Schafe, 10.000 Ziegen und 9.000 Pferde.
Rund ein Fünftel der österreichischen Staatsfläche gehört zu Almen. Gemeint ist damit die Almfläche insgesamt – ein großer Teil davon ist Fels, Latschen und Wald, nicht Weide. Quelle: Almwirtschaft Österreich
Du bist auf der Alm nicht im Park, sondern auf einer Betriebsfläche – und trotzdem ausdrücklich willkommen. Es braucht wenig, damit beides zusammengeht.
Wenn du bei uns eine Almhütte buchst, übernachtest du mitten in einer Landschaft, die es nur gibt, weil sie jemand bewirtschaftet. Deine Buchung ist Teil der Rechnung, die einen Bergbetrieb trägt – zusammen mit Milch, Käse und Vieh. Kaufst du unten am Hof ein, schließt sich der Kreis noch ein Stück enger.
Stall, Vieh und Alm gehören zum Betrieb – du wohnst mittendrin.
Käse, Speck, Eier oder Honig gibt es direkt beim Gastgeber.
Für alle, die das Almgefühl ohne Nachbarn suchen.
Auf den Wegen ja. Quer über die Fläche solltest du nicht gehen: Das kostet Futter und beunruhigt die Tiere. Wo Zäune stehen, gibt es fast immer einen Übertritt oder ein Gatter.
Weil abgetrieben wurde. Das Vieh ist nur im Sommer oben – sobald das Futter knapp wird oder der erste Schnee droht, geht es zurück ins Tal, oft mit Kranz und Glocken.
Auf bewirtschafteten Almen oft ja, verlässlich ist es aber nicht – es hängt daran, ob gesennt wird und ob jemand da ist. Bei unseren Gastgebern steht dabei, was es gibt: Regional einkaufen.
Ruhig bleiben, nicht davonlaufen, dem Tier ausweichen und den Hund unbedingt an der kurzen Leine führen. Mutterkühe mit Kälbern brauchen den größten Abstand.
Dann wissen wir, dass die Hütte im Sommer oft selbst gebraucht wird. Wir schauen uns vorher an, wie dein Jahr läuft – bevor du irgendetwas investierst.