
Sammeln in Österreichs Wäldern
Waldgold – Pilze, Beeren & Wildkräuter
Was der Wald schenkt, wenn man weiß, wo man schaut – mit Merkmalen, Saison, Verwechslungshinweisen und Küchentipps.
Österreichs Wälder und Almwiesen sind ein Vorratsschrank der Natur. Wer die Arten sicher bestimmt, ihre Saison kennt und ein paar Regeln beachtet, bringt jedes Mal etwas Kostbares mit nach Hause – vom goldenen Eierschwammerl über wilde Heidelbeeren bis zum würzigen Bärlauch. Hier findest du die wichtigsten essbaren Arten, geordnet nach Pilzen, Beeren und Wildkräutern.
Bevor du loslegst: die Sammelregeln
Gruppe 1 · Mykologie
Pilze – das Gold des Waldbodens
Speisepilze wachsen in Symbiose mit ihren Bäumen – wer den Baum liest, findet den Pilz. Sieben verlässliche Arten, jede mit ihrem sichersten Merkmal und dem Doppelgänger, den man kennen muss.
Juni – OktoberPfifferling
Cantharellus cibarius · „Eierschwammerl"
- Merkmal:
- dottergelb, gegabelte Leisten statt echter Lamellen, fruchtiger Aprikosenduft.
- Vorkommen:
- moosige Nadel- & Mischwälder, oft in Reihen.
- ⚠ Verwechslung:
- Falscher Pfifferling – echte, weiche Lamellen.
- Küche:
- Rahmsauce, Rührei; nicht roh.
Juli – OktoberParasol
Macrolepiota procera · Riesenschirmling
- Merkmal:
- Hut bis 30 cm, schuppig; verschiebbarer Doppelring, genatterter Stiel.
- Vorkommen:
- Wiesen, Lichtungen, Waldränder.
- ⚠ Verwechslung:
- junge Knollenblätterpilze – Ring & Größe prüfen.
- Küche:
- paniert gebraten wie ein Schnitzel.
Juni – OktoberSteinpilz
Boletus edulis · Herrenpilz
- Merkmal:
- brauner Hut, weißes Netz am Stiel, feste Röhren (weiß → gelblich).
- Vorkommen:
- bei Fichten & Buchen, Symbiosepartner.
- ⚠ Verwechslung:
- Gallenröhrling – bitter, rosa Röhren.
- Küche:
- Pfanne, getrocknet besonders intensiv.
April – MaiMorchel
Morchella esculenta · Speisemorchel
- Merkmal:
- wabenartig vertiefter Hut, innen komplett hohl.
- Vorkommen:
- Auwälder & Eschen auf Kalk – der Frühlingspilz.
- ⚠ Verwechslung:
- Frühjahrslorchel (giftig!) – hirnartig gewunden.
- Küche:
- nur durcherhitzt, nie roh.
Mai – NovemberSchopftintling
Coprinus comatus · Spargelpilz
- Merkmal:
- weißer, zottig-schuppiger Hut; zerfließt im Alter tintig-schwarz.
- Vorkommen:
- Wiesen, Weg- & Ackerränder.
- Küche:
- nur jung & sofort verarbeiten; kein Alkohol dazu.
Juli – NovemberMaronenröhrling
Imleria badia
- Merkmal:
- kastanienbrauner, bei Nässe schmieriger Hut; Röhren blauen auf Druck.
- Vorkommen:
- Nadelwälder – sehr häufig, ideal für Einsteiger.
- ⚠ Verwechslung:
- Gallenröhrling – bitter, rosa Röhren.
- Küche:
- vielseitig; Pfanne oder trocknen.
August – OktoberBovist
Calvatia gigantea · Riesenbovist
- Merkmal:
- großer weißer Ball (bis Fußballgröße), innen jung rein weiß & fest.
- Vorkommen:
- Wiesen, Weiden, Waldränder.
- ⚠ Verwechslung:
- nur jung mit rein weißem Fleisch; zur Sicherheit aufschneiden (innen homogen).
- Küche:
- in Scheiben paniert gebraten.
Gruppe 2 · Almwiesen & Waldränder
Beeren & Obst – süße Schätze der Höhe
Wildbeeren sind kleiner als ihre Zuchtverwandten, aber deutlich aromatischer – und je höher die Alm, desto intensiver.
Juli – SeptemberHeidelbeeren
Vaccinium myrtillus · „Moosbeeren"
- Merkmal:
- niedrige Zwergsträucher, blau-schwarz; färbt Finger & Zunge.
- Vorkommen:
- Höhenlagen über 1.500 m, saure Böden.
- Küche:
- Moosbeernocken, Marmelade, Kaiserschmarrn.
Juli – AugustAlmhimbeeren
Rubus idaeus · Wildhimbeere
- Merkmal:
- klein, weich, hocharomatisch – löst sich vom Zapfen.
- Vorkommen:
- sonnige Bergwaldränder, Schlagflächen.
- Küche:
- roh, als Röster oder Sirup.
August – SeptemberPreiselbeeren
Vaccinium vitis-idaea
- Merkmal:
- klein, leuchtend rot, herb-säuerlich; ledriges immergrünes Blatt.
- Vorkommen:
- lichte Bergwälder, oft neben Heidelbeeren.
- Küche:
- klassisch zu Wild, Kaiserschmarrn & Käse.
Juli – AugustAlpenjohannisbeeren
Ribes · „Ribisel"
- Merkmal:
- Trauben aus roten bis schwarzen Beeren, fein-säuerlich.
- Vorkommen:
- Gebüsche, Waldränder, Bachnähe.
- Küche:
- Gelee, Saft, Kuchenbelag.
August – SeptemberBrombeeren
Rubus fruticosus
- Merkmal:
- dornige Ranken, glänzend schwarze Sammelfrüchte.
- Vorkommen:
- sonnige Waldränder, Böschungen.
- Küche:
- roh, Marmelade, im Crumble.
Juni – JuliStachelbeeren
Ribes uva-crispa
- Merkmal:
- grün-gelb, behaart, angenehm säuerlich; bedornte Zweige.
- Vorkommen:
- Hecken, Waldränder, verwilderte Gärten.
- Küche:
- roh reif, Kompott, Kuchen.
Blüte Mai–Juni · Beeren Aug–SeptSchwarzer Holunder
Sambucus nigra · „Holler"
- Merkmal:
- große weiße Blütendolden, später schwarze Beerendolden.
- Vorkommen:
- Waldränder, Wegraine, Hecken.
- ⚠ Verwechslung:
- Zwergholunder (giftig) – krautig, aufrechte Beeren.
- Küche:
- Blüten für Sirup & Hollerküchle; Beeren nur gekocht.
September – NovemberHagebutten
Rosa canina · Wildrose
- Merkmal:
- leuchtend rote Sammelfrüchte; nach dem ersten Frost weich.
- Vorkommen:
- sonnige Hecken & Waldränder.
- Küche:
- Mus, Tee, Marmelade – Kerne & Härchen entfernen.
Oktober – NovemberSchlehen
Prunus spinosa · Schwarzdorn
- Merkmal:
- kleine blau-schwarze, herbe Früchte am dornigen Strauch.
- Vorkommen:
- Hecken, Feld- & Waldränder.
- Küche:
- erst nach Frost mild – Likör, Marmelade.
Gruppe 3 · Wildkräuterkunde
Wildkräuter – Würze aus Wald & Wiese
Kräuter sammelt man am späten Vormittag, wenn der Tau getrocknet ist. Entscheidend ist die sichere Bestimmung: Geruch, Blattform und Blütezeit zusammen lesen – und im Zweifel stehen lassen.
März – MaiBärlauch
Allium ursinum
- Merkmal:
- intensiver Knoblauchduft beim Reiben – das sicherste Kennzeichen.
- Vorkommen:
- schattige Auwälder, oft in großen Teppichen.
- ⚠ Verwechslung:
- Maiglöckchen & Herbstzeitlose (giftig!) – Geruchstest.
- Küche:
- Pesto, Aufstrich, Suppe.
Mai – AugustAlpenampfer
Rumex alpinus
- Merkmal:
- große, breite Blätter; angenehm säuerlicher Geschmack.
- Vorkommen:
- gedüngte Almböden, Lägerfluren, Bachränder.
- Küche:
- Alpenampfer-Suppe, als Wildgemüse.
April – SeptemberBrennnessel
Urtica dioica
- Merkmal:
- Brennhaare, gezähnte gegenständige Blätter.
- Vorkommen:
- nährstoffreiche Böden – fast überall.
- Küche:
- Suppe, Spinat, Tee; kurz blanchieren.
Juli – SeptemberMeisterwurz
Peucedanum ostruthium
- Merkmal:
- Doldenblütler, aromatisch-scharfe Wurzel.
- Vorkommen:
- feuchte Almwiesen, Hochstauden.
- Küche:
- Wurzel getrocknet als Tee, Gewürz oder Kräuterschnaps.
Juni – SeptemberSchafgarbe
Achillea millefolium
- Merkmal:
- fein gefiederte Blätter, weiße Doldenblüten, würziger Duft.
- Vorkommen:
- Wiesen, Wegränder, trockene Böschungen.
- Küche:
- Salate, Kräuterbutter, Tee.
Juni – AugustQuendel
Thymus · Wilder Thymian
- Merkmal:
- niederliegend, kleine rosa Blüten, kräftig thymianartiger Duft.
- Vorkommen:
- trockene, sonnige Hänge und Magerrasen.
- Küche:
- Tee, zum Würzen von Fleisch & Gemüse.
März – OktoberLöwenzahn
Taraxacum officinale
- Merkmal:
- gezackte Rosettenblätter, hohler Stängel mit Milchsaft, gelbe Blüte.
- Vorkommen:
- Wiesen und Wegränder – praktisch überall.
- Küche:
- junge Blätter als Salat, Blüten für Sirup.
April – JuniGiersch
Aegopodium podagraria
- Merkmal:
- dreikantiger Stängel, Blätter „drei mal drei", petersilienartiger Duft.
- Vorkommen:
- schattig-feuchte Stellen; weit verbreitet.
- ⚠ Verwechslung:
- andere Doldenblütler – Dreikant-Stängel prüfen.
- Küche:
- wie Spinat oder Petersilie.
März – OktoberGänseblümchen
Bellis perennis
- Merkmal:
- kleine weiße Zungenblüten mit gelber Mitte, Blattrosette.
- Vorkommen:
- Wiesen und Rasenflächen.
- Küche:
- milde Deko für Salate; Knospen wie Kapern.
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