Alm
Melken, Käse und Butter machen, Zäune kontrollieren, Tiere umtreiben, schwenden.
Ein Bergbetrieb hat kein gleichmäßiges Jahr. Er hat vier sehr verschiedene – und je nachdem, wann du kommst, siehst du einen völlig anderen Hof.
Der Winter endet nicht an einem Datum, sondern dort, wo der Schnee weggeht – und das verschiebt sich von Jahr zu Jahr um bis zu vier Wochen. Solange die Flächen noch nass sind, passiert draußen wenig außer Zäune richten, Wege ausbessern und die Schäden anschauen, die der Winter gemacht hat.
Dann kommt der Almauftrieb, gestaffelt von Anfang Mai bis Ende Juni, je nach Höhenlage. Traditionell orientiert er sich an Urban, dem 25. Mai, und reicht bis Kilian, dem 8. Juli. Vorher liegen mindestens drei Wochen Übergangsfütterung, damit der Pansen sich umstellt, dazu Klauenpflege und Parasitenbehandlung. Die alte Regel für den richtigen Tag ist immer noch die beste: ein Drittel der Alm grün, ein Drittel braun, ein Drittel weiß.
In vielen Regionen wird der Auftrieb gesegnet – gebeten wird um einen unfallfreien Almsommer, und das ist wörtlich gemeint. Danach gibt es oft ein gemeinsames Almfrühstück mit Brot, Butter, Käse und Speck. Die Glocken, die die Tiere dabei tragen, sind Arbeitsgerät: Im Nebel und im unwegsamen Gelände findet man eine Herde am schnellsten über das Gehör.
Das ist die anstrengendste Zeit, und zwar weil zwei Dinge parallel laufen. Oben auf der Alm wird gemolken, gesennt, geschwendet und nach den Tieren geschaut. Unten im Tal läuft die Heuernte – im Berggebiet meist zwei, in guten Lagen drei Schnitte, der erste je nach Wetter Ende Mai bis Ende Juni.
Melken, Käse und Butter machen, Zäune kontrollieren, Tiere umtreiben, schwenden.
Mähen, wenden, schwaden, einbringen – und das immer gegen die Wetterprognose.
Im Juli und August. Ein Schnitt im Jahr, oft in Handarbeit, das Heu muss abtransportiert werden.
Das Schwenden ist die Arbeit, die man am wenigsten sieht und ohne die es die Alm nicht gäbe: Grünerlen, Latschen, Borstgras, Disteln und Brennnesseln werden ausgerissen, abgeschnitten, gemäht und ausgegraben, damit die Weidefläche offen bleibt. Der traditionelle Termin ist Jakobi, der 27. Juli; in tieferen Lagen fangen organisierte Schwendtage schon Mitte Mai an. Ohne diese Arbeit verschwindet eine Almfläche in wenigen Jahrzehnten unter Gebüsch.
Wenn du im Juli oder August auf einem Hof bist und den Eindruck hast, alle hätten es eilig: Das stimmt. Bei Heuwetter zählt der Tag, nicht die Woche.
Der Almabtrieb ist kein einzelner Tag, sondern eine Welle. Auf den Hochalmen wird teilweise schon ab Mitte August abgetrieben, weil das Gras nicht mehr nachkommt. Die festlichen Abtriebe, die als Termin ausgeschrieben werden, liegen überwiegend zwischen Anfang September und Anfang Oktober – in Tirol häufig an den Samstagen um den 12., 19. und 26. September.
Danach wird eingelagert: Heu und Stroh unter Dach, Silage zugedeckt, Kartoffeln und Rüben im Keller. Die Tiere kommen in den Stall, und es beginnt die Zeit, in der man zum ersten Mal seit Mai wieder abends sitzt.
Für dich ist das die vielleicht beste Zeit oben: Die Wege sind trocken, die Luft ist klar, ab etwa 1.700 Metern färben sich die Lärchen innerhalb von rund zwei Wochen golden – das hängt an der Sonneneinstrahlung, nicht an der Temperatur, und kommt deshalb auch in milden Herbsten pünktlich.
Von außen sieht der Winter nach Ruhe aus. Von innen ist er die Zeit, in der alles vorbereitet wird, was im Sommer funktionieren muss: Maschinen warten, Zäune und Geräte reparieren, Bauholz und Brennholz aufarbeiten, Buchhaltung, Förderanträge, die Planung für die nächste Saison. Gefüttert und ausgemistet wird zweimal am Tag, jeden Tag.
Geschlägert wird jetzt, weil die Vegetation ruht: Das Holz steht nicht im Saft, hat einen geringeren Wassergehalt und wird formstabiler. Der gefrorene Boden lässt schonende Eingriffe zu, ohne dass alles verdichtet wird, und Schnee erleichtert den Transport.
Und der Winter ist die Zeit, in der die Vermietung am meisten trägt. Die Tiere fressen und geben wenig, verkauft wird kaum etwas – was hereinkommt, kommt oft aus den anderen Standbeinen.
Auf Skitour oder mit Schneeschuhen unterwegs: Wildtiere fahren im Winter in den Energiesparmodus. Bei einer Gämse steigt der Energiebedarf zwischen ruhigem Gehen und Flucht auf das Drei- bis Vierfache, Raufußhühner fliehen bis zu 400 Meter weit – drei bis vier Fluchten am Tag können ein Tier über den Winter bringen oder eben nicht. Deshalb gibt es Wildruhezonen, und deshalb sind sie keine Schikane.
Der Jahreskreis, wie er in Broschüren steht, ist die schöne Hälfte. Die andere gehört dazu: Fast alle Bergbetriebe in Österreich sind Nebenerwerbsbetriebe – jemand fährt morgens zur Arbeit und macht den Hof davor und danach. Der Almsommer ist Urlaubszeit für die halbe Familie, nur eben arbeitend. Und die Frage, ob ein Betrieb weitergeht, entscheidet sich nicht an der Landschaft, sondern daran, ob es eine Nachfolge gibt.
Deshalb steht die Vermietung in dieser Rubrik nicht als Nebensache. Sie ist eines der Standbeine, mit denen ein Betrieb über den Winter kommt – und damit ein Teil davon, dass die Flächen im nächsten Frühjahr wieder bestoßen werden.
Wenn du wissen willst, was in deinem Reisezeitraum tatsächlich passiert und welche Zeit sich wofür lohnt, steht das im Jahreszeitenkalender – Monat für Monat, mit den passenden Unterkünften dazu.
Zwischen Anfang Mai und Ende Juni, je nach Höhenlage und Schneelage – Verschiebungen von bis zu vier Wochen sind normal. Auf Niederalmen früher, auf Hochalmen später. Ein fixes Datum gibt es nicht, weil das Wetter entscheidet.
Bei manchen Gastgebern ja, bei anderen nicht – das hängt an Versicherung, Betriebsablauf und daran, ob gerade Zeit ist. Frag vorher, nicht spontan im Stall. Zuschauen ist fast immer möglich, mitarbeiten ist die Ausnahme.
Weil die Vegetation ruht: Das Holz steht nicht im Saft, ist trockener und formstabiler. Dazu kommt der gefrorene Boden, auf dem der Rückeschaden geringer ist, und der Schnee, der den Transport erleichtert. Und im Winter ist am Hof die Zeit dafür da.
Das hängt daran, was du suchst. Blüte und Almauftrieb im Juni, bewirtschaftete Almen und Sennerei im Juli und August, klare Luft und Lärchengold im Oktober, echte Ruhe im November. Der Jahreszeitenkalender geht das Monat für Monat durch.
Dann kennst du die Wochen, in denen beides gleichzeitig geht. Wir richten die Vermietung so ein, dass sie in dein Jahr passt – nicht umgekehrt.