Landwirtschaft & Nachhaltigkeit

Direktvermarktung: warum sie für Höfe überlebenswichtig ist

Ein Glas Marmelade am Hoftor sieht nach netter Nebensache aus. Für viele Betriebe ist es das Gegenteil: der Teil vom Einkommen, der übrig bleibt, wenn man den Zwischenhandel weglässt.

01 · Grundlage

Was Direktvermarktung eigentlich ist

Der Hof verkauft, was er selbst erzeugt, ohne Zwischenstationen direkt an dich. Milch, Käse, Eier, Obst, Gemüse, Fleisch, Speck, Honig, Marmelade, Saft, Schnaps. Am Hof, am Markt, im Hofladen, beim Buschenschank oder auf Bestellung.

Der Unterschied liegt nicht im Produkt, sondern im Preis, der beim Bauern ankommt. Wer über den Handel liefert, bekommt einen Bruchteil dessen, was du im Regal zahlst. Wer selbst verkauft, behält die Spanne – muss aber auch abfüllen, etikettieren, kühlen, aufsperren und erklären.

Deshalb gilt: Direktvermarktung ist kein Zusatzverdienst nebenbei. Es ist ein zweiter Beruf.

02 · Größenordnung

Die Zahlen, auf die es ankommt

30.000

Betriebe vermarkten direkt

Rund 28 Prozent der GAP-geförderten Betriebe in Österreich.

17.000

leben überwiegend davon

Bei ihnen bringt die Direktvermarktung über die Hälfte des landwirtschaftlichen Einkommens.

2,6 %

Marktanteil insgesamt

So klein ist der Anteil bäuerlicher Produkte am Gesamtmarkt.

Beides zusammen ergibt ein merkwürdiges Bild: Die Leute finden Hofprodukte gut, kaufen sie aber selten. Am Preis liegt es nicht allein. Vieles scheitert schon vorher am Praktischen – man weiß nicht, wer was hat, wann offen ist und ob es sich für zwei Kilo Kartoffeln auszahlt, hinzufahren. Genau an dieser Stelle geht dem kleinen Hof der Umsatz verloren.

Drei Viertel des Umsatzes entstehen übrigens im Umkreis von 50 Kilometern. Direktvermarktung ist damit die regionalste Form von Handel, die es gibt – und die verletzlichste, weil sie mit jedem Betrieb verschwindet, der zusperrt. Quelle: BMLUK-Factsheet

03 · Im Urlaub

Die Wege, auf denen du am Hof einkaufen kannst

Du kaufst im Urlaub sowieso ein. Wenn du es am Hof tust, bleibt der Betrag dort, wo die Arbeit passiert – und du merkst am Frühstück, warum das ein Unterschied ist.

Damit du nicht suchen musst, steht bei unseren Unterkünften dabei, was es beim Gastgeber gibt und was in der Nähe liegt. Was wann reif ist, findest du im Jahreszeitenkalender; was du selbst sammeln darfst, steht bei Waldgold.

04 · Für Betriebe

Urprodukt oder verarbeitet – der Unterschied zählt

Für den Verkauf ist wichtig, was rechtlich noch als Urprodukt gilt. Dazu gehört mehr, als viele denken – und ausdrücklich auch der Almkäse.

Alles darüber hinaus ist be- oder verarbeitet: Wurst, Speck, Aufstriche, Marmelade, Saft, Schnaps, zerlegte Teilstücke. Dafür gelten eigene Regeln – Registrierung, Hygiene, Kennzeichnung. Wer damit anfängt, holt sich das am besten einmal ordentlich bei der Landwirtschaftskammer oder der Lebensmittelaufsicht. Danach ist es meistens weniger kompliziert, als es klingt.

05 · Passende Hütten

Wo du direkt beim Gastgeber einkaufst

8

Am Bauernhof

Der Betrieb ist gleich nebenan – kürzer wird der Weg zum Produkt nicht.

Hütten am Hof

Noch einmal kurz

Häufige Fragen zum Einkauf am Hof

Ist der Einkauf am Hof teurer als im Supermarkt?

Beim Stückpreis oft ja, beim Vergleich der Qualität selten. Vor allem zahlst du für kurze Wege und für Arbeit, die sonst niemand bezahlt. Wer den Unterschied nicht schmeckt, hat sein Geld falsch ausgegeben – wer ihn schmeckt, kommt wieder.

Muss ich vorher anrufen?

Bei Hofläden mit Öffnungszeiten nicht, bei kleinen Betrieben ist ein Anruf höflich – gerade wenn du größere Mengen willst oder Fleisch. Wir sagen dir bei der Buchung, was wo üblich ist.

Gibt es alles das ganze Jahr?

Nein, und das ist gut so. Was wann kommt, steht im Jahreszeitenkalender.

Kann ich Produkte nach Hause bestellen?

Manche Betriebe versenden, viele nicht. Frag im Urlaub direkt – die meisten freuen sich über Nachbestellungen und schicken dir zumindest, was haltbar ist.

Du vermarktest selbst direkt?

Dann ist Vermietung dieselbe Rechnung: eigene Leistung, eigener Preis, eigener Kunde. Nur dass der Kunde diesmal eine Woche bleibt.